Förderung von Menschen in schwierigen

Lebenssituationen

Erlebnispädagogisches Projekt in der sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft Hochwolkersdorf.

 



Projektidee


Wichtige Eigenschaften eines gesunden Menschen sind Konfliktfähigkeit, ein intaktes Selbstwertgefühl, aktives Freizeitverhalten und ein soziales Netz von Beziehungen, welches in Krisensituationen die Möglichkeit zur Aussprache geben kann. Erlebnispädagogik kann in der tertiären Suchtprävention in seiner Vielfalt helfen, als Motivator den Lebensstil positiv zu verändern.

Eckpfeiler des Projekts sind Gruppendynamik, Hebung des Selbstwert- und Verantwortungsgefühls und die Schulung der subjektiven und objektiven Wahrnehmung.

In der sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft Hochwolkersdorf wird mit Klienten dieser Einrichtung in Zusammenarbeit mit BetreuerInnen, SozialarbeiterInnen und PsychologInnen ein erlebnispädagogisches Projekt durchgeführt. Geschäftsführer Peter Lanka stellte den Ansprechpartner und Koordinator und das Bindeglied zwischen dem Projektteam und dem Team der Einrichtung dar.

Initiiert wurde das Projekt von Bärbel Huber, Diplom Sozialarbeiterin im Anton Proksch Institut, Sonderkrankenhaus für Alkohol-, Medikamente- und Drogenkranke, langjährigen Erfahrung in der Suchtprävention in Schulen und in der Lehrlingsprävention, staatlich geprüfte Lehrwartin Alpin und Leiterin in Erlebnispädagogikprojekten. Eine Darstellung der suchtpräventiven und erlebnispädagogischen Ansätze ihrer Arbeit finden sich ebenso in ihrer Diplomarbeit (Suchtprävention in österreichs Schulen, 1999, Wien – www. fachstelle. at – Spezials).

Durchgeführt und begleitet wurde das Projekt weiters von Stefan Löffelmann, Diplom Sozialarbeiter im Anton Proksch Institut, stationäre Betreuung für Drogenkranke und Erlebnispädagoge und Irene Wailzer, Sonder und Heilpädagogin und staatlich geprüfte Lehrwartin Alpin.

B. Huber und S. Löffelmann werden das Projekt weiterführen, sodass die Kontinuität in der Suchtprävention gegeben ist.

 

 

Methodik


· Wandern als Möglichkeit die innere Ausgeglichenheit und den eigenen Lebensrhythmus zu finden.
· Klettern, alpine Touren, Auf- und Abseilen im Team als Möglichkeit, Eigen- und Fremdverantwortung zu übernehmen und als vertrauensbildende Massnahme. Förderung der Konzentration auf sich und sensibilisieren der Wahrnehmung im Umgang mit anderen Gruppenteilnehmern.
· Klettern, Bergsteigen und Wanderungen bieten die Möglichkeit gruppendynamisch aktiv zu werden. Tourenplanung, Wetterkunde, Berücksichtigung und Einteilung der Kräfte der Gruppenmitglieder sowie Einschätzung möglicher alpiner Gefahren fördern das Eigen- und Fremdverantwortungsbewusstsein und das Kennenlernen und Erleben von Grenzen.
· Die Präsentation des Projekts und Bericht über Erlebtes in der Einrichtung vor Mitbewohnern, Betreuern und Angehörigen ist ein wichtigerTeil zur Hebung des Selbswertgefühles.

 

 

Ziel


Ziel des erlebnispädagogischen Projektes ist es suchtpräventiv zu wirken, die positiven Eigenschaften bei den Klienten zu stärken und die eigenen Ressourcen bewusst zu machen.

· Entwicklungs- und Problemlösungsprozesse, Konfliktlösungsfähigkeit, Kriesenbewältigung
· Förderung von Selbstvertrauen, Kommunikation; Gruppenarbeit
· Gruppendruck und Gruppendynamik bei „Kickerlebnissen“
· Erleben von sozialer und psychischer Bedeutung des Risikoverhaltens
· Eigen- und Fremdverantwortung übernehmen

 

 

Richtige Dosierung der Herausforderung

- Was beherrsche ich aufgrund meines Könnens / Kompetenz / Erfahrung
- Welche Risken gelingt es aufgrund meiner subjektiven und objektiven Wahrnehmung auszuschalten (Risikooptimierung)
- Was bedeutet für mich das kurzlebige, gefährliche Abenteuer/Erlebnis mit Euphorie und hoher Adrenalienausschüttung, die die Selbstkontrolle ausschaltet („Kick“)
- Was bedeutet für mich gewolltes, bewusstes Handeln ohne Widerstand und Zwang, mit hoher Eigenverantwortung für die Sicherheit, Zeit für Vorbereitung, Einstimmung, Vorfreude, Spannungsaufbau für Erlebnisse („Flow“)



Inhalte


Theorie


· objektive und subjektive Wahrnehmung am Berg
· Orientierungslehre (Kartenkunde, Kompaß usw.)
· Wetterkunde
· Knotenkunde – Übungen und Umgang mit Seiltechnik

· alpine Trainingslehre
· Kompetenz durch Training (Ich- Sach- Sozialkompetenz), Schenk K., 1998 Alpine Trainingslehre
· Gesundheit – Bewegung – Alpinismus
· Anatomische- psychologische Gegebenheiten (Energie)
· Motivation
· Orientierungs- und Entscheidungsteil - methodische Grundsätze, Schenk K., 1998 Alpine Trainingslehre

· Prinzipien der Trainingsgestaltung
· Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit
· Training (Aufbau, Belastung, Kondition)

 

 

Praktischer Teil

Sportliche und konditionelle Vorbereitung erfolgt mit Unterstützung und Absprache der
Heimleitung.

 

 

Alpine Tätigkeiten

 

 

Klettern
1 Tag - Aktivitäten im Klettergarten mit
Techniken zum Topropeklettern Abseilen und Sichern im 2/3 Schwierigkeitsgrad

 

Wandern
1 Tag – Erleben der Natur

 

Hochalpine Klettersteigtour
1 Tag – anspruchsvoller Aufstieg im
Klettersteig mit Klettersteigausrüstung

 

Aktivitäten im Klettergarten Beim Aufstieg Klettersteigtour

 

Bergsteigen
2 Tage
mit anspruchsvollemAufstieg,
Besteigung eines Gipfels und
Übernachtung in einer Hütte

 

Höhlenbegehung
1 Tag - unter Anleitung eines Ortskundigen
die Durchschreitung einer Höhle mit anschliessender ausgedehnter Wanderung

Projektdurchführung

 

Höhlenbegehung Klettern am Peilstein Klettern auf der Hohen Wand

 

Teilnehmer


Gruppengrösse: Beginn mit 6 Klienten aus der ReIntegration
2 Tagestour mit 4 Klienten

 

 

Finanzierung

Als Träger des Projekts übernimmt die sozialpädagogische Wohngemeinschaft REINTEGRATION die entstehenden Kosten für die Teilnehmer (Material, Fahrtkosten, Verplegskosten).
Das Team der Erlebnispädagogik stellt eine Honorarnote.
Die Kletterausrüstung wurde für jeden Teilnehmer nach neuestem technischen Stand von der ReIntegration angekauft.

 

 

 

Projektablauf

28. Juli 2001

Klettern im Klettergarten Baden / Helenental
Inhalt:
· Fels kennenlernen
· Knotenkunde, Handhabung des Materials
· erste Erfahrungen im Topropeklettern, Sichern und Abseilen
· Theorie: Orientierung
· alpine Gefahren (subjektive und objektive Gefahren)
· und Wetter

 

5. August 2001
Peilstein – Grosser Zinnenkessel
Inhalt:
· leichte Kletterei,
· Übung im 2./3.
Schwierigkeitsgrad
· Alpine Durchschreitung


19.August 2001
Hohe Wand - Klettergarten
Inhalt:
· leichte Kletterei – Übungen im 2./3. Schwierigkeitsgrad
· aktiv und passiv Abseilen

 

19. September 2001
Vorbereitung der 2-Tagestour
Inhalt:
· Routenplanung
· Wetterkunde
· Kartenlesen
· Wegzeitberechnung
· Zusammenstellung der Ausrüstung


22./23. September 2001
Gesäuse – Hesshütte
Inhalt:
· Bergtour mit alpinem Charakter
· Übernachtung auf der Hesshütte
· Wetterkunde mit praktischer Umsetzung
· Orientierung
· Führen einer Gruppe, Verantwortung
· Bergerlebnis
· Reflektion des Erlebten

 

10. Oktober 2001
Vorbereitungsabend für Projektpräsentation

14. November 2001
Abschlussabend - Projektpräsentation
Inhalt:
· Reflektion der Projektplanung
· Ansprache des Leiters der ReIntegration
· Diavortrag
· Gemütliches Beisammensitzen
· Buffet
· Planung einer Schneeschuhtour mit
neuen und alten Teilnehmenrs

 

24. November 2001
Schneeschuhtour Rax – Preiner Gscheid - Waxrieglhaus
Inhalt:
· Bergtour - Winterbegehung
· Schneeschuhspiele
· Abenteuer Tiefschnee – Wegmarkierung erkennen
· Kleine Lawinenkunde

 

11. Dezember 2001
Nachbesprechung – Evaluierung des Projektes
Inhalt:
· Festlegung Projektdokumentation
· Internet - Erlebnispädagogik
· Projektplanung und Termine fürs nächste Jahr
· Finanzplan
· Nachbesprechung mit Heimleiter

 

Schneeschuhwanderung auf der Rax Klettern auf der Hohen Wand Tourenplanung

Neben den angeführten Terminen fanden weiters zahlreiche Besprechungen der Projektverantwortlichen statt


Inhalte:
· Nachbesprechung der 2 Tagestour
· Planung des Abschlussabends
· Zuteilung von Verantwortung
· Kontinuität der Teilnehmer in der Gruppe

Zusammenfassung des Projektteils
”Heßhütte” von Stefan Löffelmann


Vorbereitungsabend

Nachdem sich Bäbel und ich darauf geeinigt hatten, gemeinsam eine ausgedehntere Bergtour mit der Gruppe zu unternehmen, trafen wir uns am 19.9.2001 in Hochwolkersdorf in der buckligen Welt in der sozialpädagogischen Wohngemeinschaft REINTEGRATION, einer Einrichtung zur Förderung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Diesem Projektteil sind drei Klettereinheiten (Baden – Helenental / Hohe Wand/Peilstein) vorangegangen, die die Gruppe von vier Männern in die technischen Grundlagen des Kletterns eingeführt haben, aber vor allem die sozialen Fähigkeiten der Teilnehmer in den Bereichen Verantwortung, Sicherheit, Vertrauen und Umgang mit Gruppendynamik geschult haben. Dadurch waren wichtige Voraussetzungen für eine ausgedehntere und anspruchsvolle Bergtour gegeben. Besonders auffällig war, dass die Gruppe mit einer hohen Eigenmotivation an das Vorhaben heranging. Inhalte des Vorbereitungsabends waren in erster Linie die Routenplanung und die Zusammenstellung einer Ausrüstungsliste. Dabei war es uns wichtig die Teilnehmer in die Planung einzubinden und auch die Eigenverantwortung und die Organisation in der Gruppe zu fördern. Neben den angeführten Punkten wurden Robert, Walter, Franz und Wolfgang in die Kunst des Kartenlesens und der Wegzeitberechnung eingeführt. An diesem Abend wurden von uns zwei Touren geplant, um auch auf die unsichere Wettersituation kurzfristig reagieren zu können.

Für Schönwetter planten wir eine Tour auf den Traunstein (1691Hm), wobei der Anstieg über den neuen Klettersteig zur Gmundnerhütte (1661Hm) führen sollte. Nach einer Übernachtung wäre der Abstieg zur Mairalm H. und der flache Weg zurück zum Trauensee geplant gewesen.

Bei unbeständigem Wetter einigten wir uns auf die Heßhütte (1699Hm), wobei der Aufstieg über den anspruchsvollen Wasserfallweg (auch nur bei relativ gutem Wetter) und der Abstieg nach Johnsbach Kölblwirt (880Hm)führen sollte, der auch bei Schlechtwetter möglich erschien. Geplant ist weiters die Gipfeltour von der Hesshütte in einer ca. 3 Std. Wegzeit auf das Zinödl (2191Hm).

Wichtig ist bei dieser Tour auf die aktuelle Schneegrenze zu achten, da es in der letzten Woche bis auf 1200m geschneit hatte. Treffpunkt wurde um 7 Uhr am Bhf. in Wien Liesing fixiert. Ein Mitarbeiter der Einrichtung bringt die Teilnehmer von Hochwolkersdorf zum Treffpunkt.

Neben den notwendigen organisatorischen Schritten war es auch eine gute Möglichkeit für mich, die Gruppe näher kennenzulernen und damit die Voraussetzung für gegenseitiges Vertrauen zu setzen.



Durchführung der 2tages Tour

 


1.TAG

Da wir, laut Wetterbericht (Radio, Internet, Info der Hüttenwirte), mit vereinzelten Regenschauern am Samstag und ergiebigeren Niederschlag am Sonntag rechnen mußten einigten wir uns auf die Bergtour ins Gesäuse.

Die Anfahrt verlief ohne gröbere Zwischenfälle (wir fuhren mit dem Bus der Einrichtung). Die Abfahrt in Liesing verzögerte sich um eine halbe Stunde und mit einer kurzen Pause unterwegs kamen wir um 11Uhr bei der Kummerbrücke (574Hm), dem Ausgangspunkt zum Wasserfallweg an. Wir richteten unsere Ausrüstung zusammen und konnten um ca. 12Uhr 30 mit unserer Bergtour starten. Besonders wichtig erschien es, das Tempo am Anfang gering zu halten -ich führte die Gruppe an und Bärbel machte das Schlußlicht. In der ersten Stunde versuchten wir gleichmäßig, ohne größere Unterbrechungen in einen angenehmen Rhythmus zu kommen und damit den Körper und auch die Psyche auf einen längeren Anstieg vorzubereiten. Nach ca. 1 Std. erreichten wir den Wasserfall, der ein beeindruckendes Schauspiel bot. Auf der anderen Seite drängte sich die Frage bei den Teilnehmern auf: ”und wie kommen wir da hinauf?” von dieser Position aus war es nicht leicht zu erkennen. Hier zeigte sich, dass es für unerfahrene Berggeher oft sehr schwer ist, mit Zeitangaben und Höhenmeter etwas anzufangen. Auch die Steilheit des Weges machte besonders Wolfgang, der den größten Rucksack schleppte, zu schaffen. Aus den Klettertagen wußten wir, dass wir mit Wolfgang jemanden in der Gruppe hatten, der vor großer Höhe Angst hat. So wurde speziell der nächste Teil eine große Herausforderung für ihn. Aber auch die anderen erwartete eine sehr anspruchsvolle Bergtour.

Nach einer kurzen Jause um ca. 13Uhr ging es über Leitern und versicherte Wege 300 Höhenmeter hinauf. In diesem Teil war es besonders wichtig auf sichere Trittechnik, Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme zu achten. In diesem Teil scheint es mir wichtig, zur Gruppengröße zu bemerken, dass sich das Betreuungsverhältnis 1:2 sehr gut bewährte. Franz, der vor seiner Alkoholabhängigkeit viel Bergerfahrung sammelte konnte in diesem Teil besonders gut die Übersicht bewahren und auch für sich und die anderen Teilnehmer Verantwortung übernehmen. Bärbel konzentrierte sich speziell auf Wolfgang, und so kam es bei keinem der Teilnehmer zu Angstausbrüchen und wir konnten bei der ”Emesruh”, einer größeren Ausbuchtung im Fels, den Blick zurück auf unseren Aufstieg wagen. Dieser Rückblick weckte bei allen große Emotionen. Vor einer Stunde fragten wir uns noch, wie und wo der Weg hinaufführt und jetzt überschauten wir das gesamte Tal, sahen unseren Bus als kleinen Punkt im Tal und den schlangenförmigen Aufstiegsweg.

Kurz nach der kurzen Pause erreichten wir den Ausstieg, und hier war eine herzliche Umarmung angebracht. Pause und kurzes Zurückblicken auf diesen anspruchsvollen Aufstieg. Der weitere Weg war bei weitem nicht mehr so schwierig aber es warteten dennoch 400Hm und eine Wegzeit von ca. 2 Std. auf uns. Am Anfang bot der einfache, landschaftlich schöne Weg eine optimale Möglichkeit die starken Eindrücke ausklingen zu lassen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. In diesem Teil ließ ich speziell Franz und Walter die Möglichkeit, ihr Tempo selbst zu bestimmen und war nicht so sehr bedacht die Gruppe zusammen zu halten. Um so länger wir unterwegs waren, desto klarer war bei Robert zu erkennen, dass ihm seine Kräfte langsam ausgingen. In dieser Phase erhöhte sich auch die Reizbarkeit bei Robert und erst als er nicht mehr versuchte seine Müdigkeit zu verstecken, zeigte sich bei den anderen Anteilnahme und sie fanden aufmunternde Worte. Auf knapp 1600Hm kam der ersehnte Augenblick: ungefähr 1 km und 100Hm vor unserem Ziel erblickten wir die Hütte. Hier stellte sich der Effekt ein, den jeder Bergsteiger kennt. Die quälenden Gedanken sind wie weggeblasen und die wehen Füße machen keine Schmerzen mehr. Auf den letzten 200m bekamen alle noch die Aufgabe einen schönen Gegenstand vom Weg mit auf die Hütte zu nehmen, und mit erhobenem Kopf erreichten wir um 17 Uhr die Heßhütte auf 1699Hm.

Nach der gemeinsamen Leistung schmeckte das Abendessen, und Linsen waren noch nie so gut gewesen, ein Knödel noch nie so flaumig und die Freude über den Tag erfüllte die Stimmung in der Hütte. Unterbrochen wurde das Zusammensitzen nur, wenn einer die übrigen drei zu einer Zigarette vor der Hütte aufforderte.

Wir bezogen unser Lager und trafen uns noch kurz in in der Gruppe um die Ereignisse des Tages zusammen zu fassen. Jeder erzählte zu diesem Anlaß ein paar Sätze zum heutigen Tag und stellte die mitgebrachten Gegenstände vor. Als Abschluß erfreuten wir uns über eine Dose Kekse, die den Weg in meinem Rucksack auf die Hütte gefunden hatte. Der Abend wurde mit ”UNO” und Kartenspielen verbracht und um 21Uhr 30 waren alle im Bett. Auch das Lager mit 12 Leuten in einem Raum war für einige von uns eine Premiere. Einige verkündeten den guten Schlaf durch lautes Schnarchen, aber nach diesem Tag vermochte das niemanden zu stören.


2. TAG

7Uhr 30 ”Tagwache” und 8Uhr Frühstück. Alle waren rasch aus den Schlafsäcken und beim Frühstück wurde schon über die Routenplanung und das Wetter diskutiert. Es war nebelig, und nachdem sich der Nebel verzogen hatte, zeigte sich eine dicke Wolkendecke.Oberhalb der Hütte zeigten sich Schneeflecken und das unsichere Wetter ließe uns überlegen, ob es realistisch sei den Gipfel (Zinödl 2191Hm) in die Tourenplanung einzubeziehen. Wir entschieden uns dafür. Um ca. 9Uhr 30 waren die kleinen Rucksäcke gepackt, wir konnten die meisten Sachen auf der Hütte lassen, da der Abstieg wieder zur Heßhütte führte.
Es dauerte nicht lange und es begann zu regnen und der relativ steile Anstieg wurde rutschig. So waren wir langsam und vorsichtig unterwegs und ich erklärte öfter meine Überlegung den Gipfelsturm abzubrechen. Bei dieser Gelegenheit unterhielten wir uns über Wetter und Trittechnik. Auch Gefahren am Berg wurden zum Thema. Schließlich entschlossen wir uns, bis zum Blick aufs Gipfelkreuz zu gehen, und als der Schnee den größten Teil des Weges bedeckte, mußten wir auch auf dieses Vorhaben verzichten. An diesem Punkt konnten wir sehr deutlich unsere Grenzen erkennen und vor allem war es ein Bilderbuchbeispiel dafür, Wetter, Gegebenheit des Geländes und die Verfassung einer Gruppe in die Entscheidung, ein Vorhaben abzubrechen, einzubinden. Der Abstieg mußte vorsichtig und langsam von statten gehen, und bei der Hütte war eine Jause und der heiße Tee ein wichtiger Wärme- und Energiespender.

Wir wollten nicht zu viel Zeit verlieren und trafen uns um 12 Uhr mit dem gesamten Gepäck vor der Hütte. Der Abstieg nach Johnsbach zum Kölblwirt führt durch wunderschöner alte Waldbestände und über Almen und ausgedehnte Sumpflandschaften. Meist ist der Weg nicht sehr anspruchsvoll und gibt Zeit zum Nachdenken und Ausspannen. Auch der Regen konnte uns die gute Stimmung nicht nehmen. Viele Eindrücke, ob Fliegenpilz, Frosch oder Gämse erregten unsere Aufmerksamkeit, und der flache Weg ermöglichte auch das eine oder andere tiefergehende Gespräch, wo Kindheitserinnerungen oder Geschichten aus dem Alltag preisgegeben wurden.

Um ca. 16 Uhr erreichten wir das Tal und Kaiserschmarrn und Gulasch vertrieben den Hunger. Ich konnte im Sammeltaxi bis zum Auto mitfahren und um 17Uhr 30 ging es nach einer kurzen Abschlußrunde beim Kölblwirt Richtung Heimat.

Der erwartete Einbruch, dass alle im Auto schlafen würden, blieb aus. Dafür gab es viel zu viele Eindrücke und Erlebnisse die Kopf und Bauch bewegten.

In Wien Liesing wurden Robert, Walter, Franz und Wolfgang abgeholt, und nach einer herzhaften Verabschiedung ging es wieder nach Hause.

Ein rundum schönes Erlebnis mit vielen Ereignissen, die ich nicht missen möchte.

 

 

 

Zusammenfassung des Projektteils

 

Rax – Waxriegelhaus / Stefan Löffelmann


Vorbereitungsphase

Nach der gelungenen 2-tages Tour im Gesäuse war der Wunsch der Teilnehmer groß, eine weitere Bergtour im November zu veranstalten. Bei dem Vorbereitungstreffen für den Diaabend wurden schon zwei Termine ins Auge gefaßt. Leider brachen zwei der Teilnehmer während dieser Zeit die Therapie ab und so war es wichtig speziell beim Diaabend weitere Teilnehmer zu motivieren. Etwas überraschend meldeten sich schon am Vortragsabend mehrere Bewohner der Einrichtung und schlußendlich meldeten sich sieben Leute an, wobei zwei von ihnen kurz vor der Tour absprangen.

Da für diese Bergtour kein Vorbereitungsabend vorgesehen war, nützten wir die Gelegenheit, Robert, der schon an den vorhergehenden Veranstaltungen teilgenommen hatte, einige Vorbereitungen in der Einrichtung selbstverantwortlich (in telefonscher Absprache mit uns) durchzuführen. So lag es in seiner Verantwortung die Teilnehmer über die geplante Tour zu informieren, und die Ausrüstung der zu überprüfen.

Da wir einige der Teilnehmer nicht kannten war es für uns wichtig eine nicht zu anspruchsvolle Route zu wählen und so entschieden wir uns für den Aufstieg vom Preinergscheid zum Waxriegelhaus (unterhalb der Rax – Karl Ludwig Hütte) und planten den Abstieg über den Griesleitengraben nach Prein an der Rax. So blieben uns genügend Möglichkeiten Vorort, die Wegplanung zu ändern um auf die Gruppe einzugehen. Auch die unsichere Wetterprognose (kalt, Niederschlag, Windböen) war ausschlaggebend für diese Entscheidung.

Um für den angekündigten Wintereinbruch entsprechend gerüstet zu sein und eine neue Erlebniskomponente einzubringen entschieden wir uns Schneeschuhe beim ÖAV auszuleihen.

So wurde der Treffpunkt am 24.11.01 um 8 Uhr am Preinergscheid vereinbart und Bärbel und ich trafen uns um 7 Uhr am Stadtrand von Wien.


Durchführung der Tagestour

Wie verabredet trafen wir uns um 8 Uhr am Preinergscheid (1070Hm) bei denkbar unfreundlichem Wetter. Schneesturm und Minusgrade. Einige der Teilnehmer, speziell Franz, waren bereits schlecht gelaunt und es war für sie kaum vorstellbar bei so einem Wetter eine Bergtour zu bestreiten. Vorsichtshalber hatte ich noch genügend Ausrüstung (Überhosen, Jacken, Gamaschen und Handschuhe) mitgebracht um damit die Wettertauglichkeit herzustellen. Nach einer kurzen Unterredung war der Entschluß fix und wir starteten. Für die Schneeschuhe konnte ich in dieser Situation nur einen der Teilnehmer begeistern und es erschien mir wichtig die Entscheidung ihnen offen zu lassen, die Schneeschuhe zu tragen oder im Auto zu lassen, da die Strecke ohne weiteres auch ohne begehbar war.

Der Aufstieg zum Waxriegelhaus war unproblematisch auf einer Forststraße im Wald (windgeschützt). So war Platz die Spannungen bei den Teilnehmern mit Gesprächen abzufangen.

Nach knappen 2 Std. Wegzeit erreichten wir um 10 Uhr 30 das Waxriegelhaus (1361Hm). Nach einer ausgiebigen Jause probierten zwei der fünf Teilnehmer unter meiner Anleitung die Schneeschuhe aus und nach einer Stunde startete Bärbel weiteren Zweien. Alle konnten sich sehr begeistern und die neue Art der Fortbewegung im Schnee mache viel Spaß. Nur Franz konnte sich nicht aufraffen und war erst beim Abstieg bereit die Schneeschuhe auszuprobieren. Der Abstieg führte durch verschneiten Wald und wir waren die ersten, die über diesen Weg im Neuschnee ins Tal gingen. Diese Stimmung war für Alle sehr beeindruckend und es zu diesem Zeitpunkt war jeder Grant und jede Unsicherheit, ob es wohl gut sei, bei so einem Wetter auf den Berg zu gehen, verflogen.

Um 16 Uhr kehrten wir in Prein an der Rax (680Hm) im Raxgrabenhof ein und die Stimmung der Gruppe war zufrieden und angenehm erschöpft. Während wir auf die Mitarbeiterin der Einrichtung warteten holte ich unser Auto per Autostop vom Preinergscheid. Nach dem das Ausgeliehene Material wieder eingesammelt war verabschiedeten sich Robert, Franz, Günther, Manfred und Hans von uns und wurden von Silvia mit dem Bus der Einrichtung zurück nach Hochwolkersdorf gebracht.

Bärbel und ich besprachen die Tagestour in Payerbacherhof in Payerbach noch nach und um 20 Uhr endete ein ausgefüllter Tag in Wien.

Gedächtnisprotokoll 24.11.01
EP-Projekt Hochwolkersdorf – Rax, Waxriegelhaus

Teilnehmer: Robert, Franz, Günther, Manfred, Hans
Leiter: Bärbel Huber, Stefan Löffelmann

 

Ablauf:

5.30 aufstehen
6.20 Abfahrt – eigenes Auto (25km)
7.00 Treffpkt. mit Bärbel Tankstelle Agip Autobahnabfahrt Brunn/Geb.
8.00 Treffpkt. mit Teilnehmern Preiner Gscheid (1070Hm) (Rax)
Infoaustausch Materialausgabe Tourenerklärung
8.45 Abmarsch Richtung Waxriegelhaus
10.30 Ankunft Waxriegelhaus(1361Hm)
pause mit Jause
11.30 Stefan mit Robert und Hans Schneeschuh Wanderung (Richtung Schlangenweg 45 min)
12.30 Bärbel mit Günther und Manfred Schneeschuh Wanderung (Richtung Schlangenweg 60 min)
13.30 kurze pause
13.45 Abmarsch Richtung Prein an der Rax (Griesleitengraben)
15.15 Ankunft in Prein an der Rax (680Hm)
16.00 Einkehr im Raxgrabenhog
16.20 Autostop Preiner Gscheid Auto holen
17.00 Material einsammeln
abfahrt der Teilnehmer mit Silvia (mit Bus der Einrichtung) Richtung Hochwolkersdorf
17.20 Nachbesprechung der Leiter (Bärbel u. Stefan) im Payerbacherhof
18.30 abfahrt nach Wien
19.30 aufteilen des Materials Agip Tankstelle
abfahrt eigenes Auto nach hause (25km)
20.00 Ankunft zu hause

Wetter: beständiger dichter Schneefall, Windböen Temperatur ca. –5°C, stark bewölkt
Schneelage: ca. 15-20cm, sehr verweht

Allgemeine Stimmung bei den Teilnehmern: anfangs sehr gespannt (besonders bei Franz, Robert) wegen schlechtem Wetter (Schneestturm) und schlechter Ausrüstung. nach kurzer Wegstrecke gelöster, besser. Hans & Manfred vorne weg. Franz sehr nachdenklich verschlossen gegenüber Teilnehmern. Robert etwas verbittert. in der Hütte besser – stolz, Schneeschuhe von Franz verweigert alle anderen zufrieden beeindruckt. weg hinunter meditativer und mehr auf die Umwelt gerichtet.

Gespräche: Franz (wegen schlechter Stimmung, Frust, ...)
Robert (wg. Organisation, Problemen mit Mitarbeitern der Einrichtung, ...)
Hans (wg Führerschein F, ...)
Günther u. Manfred (allg. über Aufenthaltsdauer, ...)

 

 

 

Autor

 

Frau Bärbel Huber

ReIntegratinon – Sozialtherapeutische Wohngemeinschaft
2802 Hochwolkersdorf





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