Modell der Handlungsmotivation
Der weitere Versuch einer Begriffsklärung zum „Erlebnis in der Pädagogik“ entwächst einer vorhandenen Orientierungslosigkeit. Auf zahlreichen Tagungen und Seminaren, und in vielen Gesprächen ist die „Definitionssuche“ weiterhin Diskussionsthema. Immer wieder ist sie Grund für Missverständnisse und Frustration. Der folgende Ansatz ist sehr einfach und daher im Detail sicherlich nicht zufriedenstellend. Über den Umweg der unterschiedlichen Zielsetzungen und Beweggründe ist eine, wie mir scheint relativ objektive Annäherung möglich. „Je einfacher, desto brauchbarer“ ist das Motto, bei dem Versuch klärende Hilfestellung anzubieten. Viele Erklärungsmodelle und Definitionen werden, weil zu komplex oder theoretisch, sehr leicht missverstanden. Oft klingt nur gut was Erlebnispädagogik ist und deshalb wird all zu schnell jedes erlebnisreiche Handeln als solches bezeichnet. Dies führt zu Irritationen. Teilweise gelingt kein Gespräch mehr, bevor man sich nicht auf „Eckpunkte und Selbstverständnis“ einigt.
Das „Modell der Handlungsmotivation“ geht von der gemeinsamen Basis „Erlebnis“ aus. Erlebnis ist alles und daher machen in der Differenzierung schon viele an diesem Punkt Schluss. Da alles Erlebnis ist und Pädagogik ebenfalls so gut wie allgegenwärtig, wird jedes noch so wenig zielgerichtete Handeln eben als erlebnispädagogische Maßnahme bezeichnet. Damit kommt man nicht weit. Nach diesem Ansatz ist ein Besuch im Erlebnisbad gleich benannt wie eine mehrwöchige Ziel– und Zielgruppenorientierte Maßnahme. Um dem Ziel, Verständnis, und damit Verständigung durch Differenzierung herzustellen näher zu kommen ist es aber absolut nicht nötig eine „Klassengesellschaft“ der Arbeit mit Gruppen und Einzelpersonen einzuführen. Eine scheinbar sehr unterschiedliche Wertung von verschiedenen Arbeitsbereichen ist aber offenbar ein Grund für die fehlende Differenzierungsbereitschaft. Trifft man sich nun auf dem gemeinsamen Nenner – dem Erlebnis – und denkt sich von hier aus in die unterschiedlichen Interessen und Motivlagen hinein – ist es sehr schnell und wertfrei möglich eine sinnvolle Unterscheidung herauszuarbeiten.
Das „Modell der Handlungsmotivation“ unterscheidet in acht verschieden motivierte Zugänge. Diese acht Zugänge sind im Weiteren zwei Hauptinteressen unterstellt. Die handlungsleitende Zielsetzung lässt sich damit sehr übersichtlich differenzieren.
Die Grafik erlaubt zusätzlich eine Differenzierung nach den übergeordneten handlungsleitenden Interessen. Der farbige Verlauf von links oben (PRIMÄRES INTERESSE IST DIE PERSÖNLICHKEITSBILDUNG) nach rechts unten (PRIMÄR KOMMERZIELLES INTERESSE) verdeutlicht diese, und markiert auch einen "Übergangsbereich" in dem es wohl um beides geht. Neben dieser primären Interessensbekundung gibt es natürlich auch in der Erlebnispädagogik den Wunsch nach kommerziellem Ausgleich - kaum jemand wir aber wegen aussergewöhnlich guter Verdienstmöglchkeiten in der Jugendwohlfahrt arbeiten?!?
Eine weitere Perspektive lässt sich sich in die Grafik des Modells legen: von links nach rechts nimmt der Stellenwert von Refelexion und Nachbearbeitung ab. Während in der Therapie ein sehr ausgeprägter Focus auf Auswertung und Transferpotentialen liegt, wird beispielsweise der Animateur eines Clubs in verwunderte Gesichter schauen, wenn er versucht die methaphorischen Zusammenhänge zum Alltagserleben herzustellen? Dies ist weder sein Handlungsmotiv, noch das seiner Gäste.
Für die Begriffsklärung bietet sich daher an (Alpenvereinsjugend 2004)
Erlebnispädagogik beschreibt folglich die Handlungsmotivation (sozial-)pädagogisch zu arbeiten. Hier einige Eckpunkte:
• Rahmen und Aufgabe sind meist das soziale Lernen in Gruppen: => Lernziele beziehen sich auf individuelle Themen des Kompetenzgewinns der einzelnen TeilnehmerInnen. Die Bearbeitung der Themen liegt teilweise auch im starken Interesse der Gruppe. • Die Zielgruppe erlebnispädagogischer Ansätze sind primär Jugendliche: => Entwicklungsförderung und die Etablierung neuer Verhaltensmuster beschreiben die Ziele • Erlebnispädagogik braucht Zeit und Beziehung: => diese Grundlagen sind Voraussetzung für nachhaltiges Arbeiten und die Chance auf Transferleistungen in das Alltagshandeln • die Maßnahmen werden soweit möglich der individullen Situation angepasst: => je nach Zielen und TeilnehmerInnen werden mögliche Hilfestellungen für die Persönlichkeitsentwicklung konzipiert. • Ein explizit ausgesprochener Auftrag mit Zielformulierung ist Legitimationsgrundlage der Beg-leiterInnen => Berechtigung zur erlebnispädagogischen "Intervention" • Primärer Handlungsraum sind Naturlandschaften: => Neben der sozialen Beziehung ist es auch die Naturbeziehung, der wir einen sehr hohen Stellenwert einräumen.
Erlebnisorientiertes Arbeiten beinhaltet ein Bündel von Handlungsmotivationen. Hier einige Stichpunkte dazu:
Merkmale für "erlebnisorientiertes Arbeiten" sind: • der Handlungsraum ist die Natur • es wird primäre mit Gruppen gearbeitet • "erlebnisorientiert" ist zielgruppenoffen (Kinder, Jugendliche, Familien, etc.) • die Inhalte werden zielgruppengerecht geplant • es gibt keine individuellen Zielvereinbarungen im pädagogisch/therapeutischen Sinne • Ziel ist die individuelle Kompetenzförderung durch offene "Informationsangebote" (ökologische Kompetenz, Bewegungskompetenz, etc.) • als Medium dienen Bewegung-Natursport und kreatives Gestalten mit und in Natur
Ziele von "erlebnisorientierter Arbeit" sind:: • den TeilnehmerInnen Freiräume gewähren • es geht darum (neue) Handlungsfelder zu eröffnen • entscheidend ist, dass Partizipation möglich wird (und diese ernst genommen wird) • das Angebot soll die Eigenverantwortung der TeilnehmerInnen spürpar machen • die Vermittlung neuer Kompetenzen durch Erfahrungslernen • Veränderung von Sichtweisen/Perspektiven/etc. sollen ermöglicht werden • eine Nachbetrachtung der Erlebnisse soll ermöglicht werden (Erlebnis intensivieren/Nacherlebnisraum)
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